Beurener Keltenschanze

Pionierleistung in der Keltenforschung

13. Mai 2011 

Die Keltenschanze auf der Beurer Flur „Die Schanz“ könnte eine Zentralfunktion für etwa 15 kleinere Schanzen, zum Teil mit Siedlungen, im Umkreis von rund 30 Kilometern gehabt haben. Sie sei zu groß, als dass sie allein von ihren Bewohnern hätte erbaut werden können; es müssen wohl Helfer von auswärts mit Hand angelegt haben. Diese Hypothese stellt Kreisarchäologe Richard Ambs in seinem eben erschienenen Fachbuch „Die keltische Viereckschanze bei Beuren“ auf. Darin beschreibt der Elchinger zusammen mit seinen drei Co-Autoren Karin Berghausen, Henriette Obermaier (beide München) und Stefan Reuter (Neu-Ulm) detailliert die umfangreichen archäologischen Grabungen und deren Ergebnisse. Auf die Fährte der Viereckschanze brachte die Kreisarchäologie eine Karte der Flur „Die Schanz“ von 1824, auf der die Schanzenstruktur der umliegenden Felder deutlich zu erkennen ist. Bei der Begehung des Gebiets fand Richard Ambs’ Mitstreiter Peter Wischenbarth anschließend Keramikscherben, ein kleines Bruchstück einer Tierplastik und zwei Schmuckfragmente, jeweils aus der Keltenzeit. Diese Funde gaben den Ausschlag für die Grabung. Finanziert vom Landkreis Neu-Ulm, gruben Richard Ambs und seine ebenfalls ehrenamtlichen Helfer der Kreisarchäologie sechs Sommer lang, von 1996 bis 2001, auf der Gemarkung Beuren, die heute zum Markt Pfaffenhofen an der Roth gehört. Die Einblicke, die sie dabei bekamen, sind für die Fachwelt von Pionierrang. „Die Beurer Keltenschanze ist eine der größten Schanzen, die in Deutschland bislang gefunden und untersucht wurden“, sagte Richard Ambs bei der Buchpräsentation im Landratsamt Neu-Ulm. Schon die reinen Abmessungen der Anlage sind spektakulär: Die Umwehrung der Viereckschanze war rund 640 Meter lang; der von einem Graben mit einer Tiefe von bis zu 2,80 Meter und einem mehr als 2,50 Meter hohen Wall umschlossene Innenraum misst 2,7 Hektar. Nach den Berechnungen der Archäologen mussten dafür von den Erbauern rund 5.250 Kubikmeter Erde bewegt werden. „Wahrlich eine gewaltige Gemeinschaftsleistung, welche sicher nur durch eine größere Zahl von Arbeitskräften zu bewerkstelligen war“, schreibt Richard Ambs. Er schätzt, dass viele der Helfer aus mehreren Keltensiedlungen im Umkreis gekommen sind. Das entspricht in etwa der Distanz, die ein Mensch in einem Tagesmarsch zurücklegen kann. Auch das Eichenholz, aus dem die Kelten ihre Gebäude errichteten, hätten die Bewohner der Beurer Schanze unmöglich alleine beschaffen können, so Ambs.  Anhand der ausgegrabenen Fundstücke – vor allem Keramikscherben, viele Schweineknochen, zudem verkohlte Holzrückstände, Mahl- und Wetzsteinfragmente, einige Eisenobjekte und ein gläsernes Armreiffragment – konnte die Besiedlungszeit der Keltenschanze auf ungefähr 150 bis 50 vor Christus bestimmt werden. Auf der Beurer Flur  fanden Ambs & Co. Im Schanzenbereich aber auch menschliche Spuren aus weit früheren Epochen: aus der Münchshöfener Kultur (um 4.300 vor Christus), aus der Glockenbecherkultur (um 2.200 vor Christus) und aus der Bronzezeit (um 1.400 vor Christus). Zurück zu den Kelten: „Bislang einmalig“ sind Ambs zufolge auch die Anzahl und Dimensionen der vormaligen Gebäude in der Beurer Viereckschanze. In der Mitte der Ostseite habe sich einst der durch einen Torbau geschützte Eingang zu der Anlage befunden. Vier Großbauten, davon drei mit über 200 Quadratmeter Grundfläche, ein Grubenhaus, zwei Getreideharfen sowie sieben gestelzte Speicherbauten dürften zeitgleich bestanden haben. Bei einem großen Gebäude nahe der Südwestecke der Schanze könnte es sich um einen Kult- oder Versammlungsbau gehandelt haben. Nach Auffassung des Kreisarchäologen weist die Keltenschanze bei Beuren also Merkmale beider Theorien auf, die gegenwärtig in der Wissenschaft um die Vorherrschaft ringen. Unter baden-württembergischen Archäologen gelten die Viereckschanzen vornehmlich als landwirtschaftliche Gutshöfe, während die bayerischen Berufskollegen überwiegend der Überzeugung sind, es handele sich dabei um kultische Anlagen. Dieser Meinungsstreit konnte bislang weder in die eine noch in die andere Richtung entschieden werden, weil für die meisten der über 300 bekannten Viereckschanzen keine oder nur spärliche Untersuchungen vorliegen. Anders jetzt im Fall Beuren: Nach Angaben von Richard Ambs ist diese Keltenschanze die bislang einzige im Regierungsbezirk Schwaben, die man vollständig archäologisch untersucht hat. Bei der nun darüber vorliegenden Monographie handele es sich sogar um die erste größere wissenschaftliche Einzeldarstellung über eine komplett analysierte Ausgrabung in Bayern. Landrat Erich Josef Geßner würdigte die vierte Publikation der Schriftenreihe „Berichte zur Archäologie im Landkreis Neu-Ulm und in den angrenzenden Gebieten“ als „wichtigen Beitrag zur Dokumentation und Bewahrung des keltischen Erbes im Landkreis Neu-Ulm im Allgemeinen und des Marktes Pfaffenhofen an der Roth im Besonderen“. Das Fachbuch von Richard Ambs u. a. über die keltische Viereckschanze bei Beuren, für dessen Herstellkosten neben dem Landkreis Neu-Ulm die Volksbank Neu-Ulm als Sponsor aufkommt, ist über das Landratsamt Neu-Ulm zum Stückpreis von 45 Euro zu beziehen. Bestellen kann man Band 4 – wie alle vorangegangenen Bände – am einfachsten über den Internetauftritt des Landkreises Neu-Ulm. Die Webadresse lautet: www.landkreis.neu-ulm.de. Auf der Homepage ist dann dem Rubrikenpfad Bürgerservice/Publikationen/Bücher zu folgen.