Das Machbare wagen

Dies war das Motto von Hermann Köhl, mit dem er auf den Tag genau vor 75 Jahren zur ersten gelungenen Atlantiküber-querung mit dem Flugzeug von Ost nach West aufbrach. Diese Leistung wurde von seiner Heimatgemeinde mit einer Reihe von Veranstaltungen gewürdigt. Den Auftakt bildete ein Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin, zelebriert von Pfarrer Egger und Pfarrer Loska. Pfarrer Georg Egger erinnerte in seiner Predigt daran, dass Hermann Köhl ein tiefgläubiger Mensch war, der sogar auf der Rückseite der Navigationskarte des legendären Fluges vermerkt hatte "das Wichtigste ist das Gebet". Die drei Ozeanflieger hatten nämlich als Übermüdung und Probleme überhand zu nehmen drohten im gemeinsamen Gebet neue Kraft geschöpft.
Nach der Messe zogen die Fahnenabordnungen der Vereine mit der Bevölkerung zum Friedhof. Am Grab des Ozeanfliegers erinnerte Bürgermeister Josef Walz an die historische Leistung. Vom Jagdbombergeschwader 34 Allgäu war Oberstleutnant Kollmer gekommen. In seiner Gedenkrede sagte er, dass die Leistungen Hermann Köhls aus der Geschichte der Luftfahrt nicht wegzudenken seien. Er bedaurte dann auch sehr, dass dies nach 44 Jahren die letzte Ehrung seines Geschwaders sei, da es im Juni dieses Jahres außer Betrieb gesetzt wird. In seiner anschließenden Rede ließ Oberst a. D. Hans Joachim Meissner wissen, dass die Traditionsgemeinschaft des Jagdbombergeschwaders 34 und des Fliegerhorstes Memmingen, der ehemalige Soldaten, Beamte, Angestellte und Arbeiter angehören, die Tradition übernehmen werden und die Pflege des Grabes übernehmen. Sowohl Oberstleutnant Kollmer, als auch Oberst a. D. Hans Joachim Meissner ehrten Hermann Köhl mit einer Kranzniederlegung. Der Rektor der Hermann-Köhl-Schule würdigte seiner Ansprache Hauptleherer Engelbert Fischer, der dafür gesorgt hatte, dass die örtliche Schule auf den Namen "Hermann-Köhl-Schule" getauft worden war. Zudem war er den Initiator und Begründer des Hermann-Köhl-Museums, das in seinen Anfängen in der Schule beheimatet war. Zum Dank legte er eine Blumengebinde auf dem Grab von Engelbert Fischer nieder, das sich auf dessen Wunsch in unmittelbarer Nähe zum Grab Hermann Köhls befindet.
Zu den Klängen von "Ich hatte einen Kameraden", gespielt von den Musikkapellen Pfaffenhofen und Beuren, senkten sich die Fahnen und die Böllerschützen schossen einen dreifachen Salut zur Ehrung der Toten.
Kurz danach begann der Festakt in der Aula der Hermann-Köhl-Schule. In seine Begrüßungsworten zeigte sich Bürgermeister Josef Walz überrascht vom Zuspruch der Bevölkerung. "Ich bin überwältigt, mit einem solchen Ansturm hätte ich nicht gerechnet", so begann er, angesichts der etwa 500 Gäste, die sich in der Aula drängten. Unter ihnen waren auch eine Vielzahl von Ehrengästen. Bundesfinanzminister a. D. Dr. Theo Waigel, Die Oberbürgermeisterin von Neu-Ulm Dr. Beate Merk, die Landtagsabgeordneten Peter Schmid, Hermann Geiger und Ruth Pauli, die sich zur weitläufigen Verwandtschaft Hermann Köhls zählt, Landrat Erich Josef Geßner und Altlandrat Franz Josef Schick. Eine große zahl von Verwandten Hermann Köhls war ebenfalls angereist, zum Teil von weit her, bis aus Schweden oder Hamburg. Die Kontaktakte hatte Lore Schandl, die in Pfaffenhofen wohnende Nichte Köhls hergestellt. "Was hat Hermann Köhl mit Pfaffenhofen zu tun?", so fragte Bürgermeister Josef Walz und gab die Antwort dann auch selbst. Seine Mutter Wally war Pfaffenhofenerin und Köhl verbrachte darum in seiner Jugend die Ferien oft in der großelterlichen Brauereigaststätte Mahler. Offenbar hatte er sich im Ort so wohl gefühlt, dass er letztlich nach Pfaffenhofen zog, wo er den Rest seine Lebens verbrachte.
Die Neu-Ulmer Oberbürgermeisterin Beate Merk bezeichnete in ihrer Ansprache die Tatsache, dass Hermann Köhl in Neu-Ulm geboren wurde, als Schönheitsfleck in seiner Vita, aus Pfaffenhofener Sicht. Nichtsdestotrotz sei die Stadt Neu-Ulm stolz auf den Sohn und Ehrenbürger der Stadt. Besonders beeindruckt zeigte sich sich von einer Eigenschaft der Pfaffenhofener. "Die Pfaffenhofener verstehen zu feiern und scheinen darin unermüdlich zu sein", sagte sie in ihrem Grußwort, nachdem sie nun innerhalb von vier Wochen beim zweiten großen Fest in Pfaffenhofen zu Gast sein durfte.
Die Festrede für Hermann Köhl hielt Dr. Theo Waigel. Er ging ausführlich auf die Biografie des Ozeanfliegers ein, breiten Raum nahm die eigentliche Ozeanüberquerung ein. Besonders hob er die Risikobereitschaft, aber auch das Risikobewusstsein Köhls hervor. Er betonte auch, dass Köhl ein echter Europäer gewesen sei, dies hätte sich auch darin gezeigt, dass er den Iren Fitzmaurice mitgenommen habe. Waigel betonte auch, dass Köhl sich nicht vom Naziregime hatte vereinnahmen lassen.
Die Sonderbriefmarke der Deutschen Post zum Jubiläum, die im Großformat auf der Bühne zu sehen war, wurde von der Grafikerin, die sie gestaltet hatte, vorgestellt und erklärt. Die Briefmarke sei das kleinste grafische Format, das es zu gestalten gibt, erläuterte Corinna Rogger. Darauf müssten der Frankierwert und die Botschaft der Marke untergebracht werden. Sie bedankte sich aufs herzlichste bei Bernd Weiß, dem Leiter des Hermann-Köhl-Museums und Bürgermeister Josef Walz für die tatkräftige Unterstützung. Dr. Theo Waigel hatte bereits in seiner vorangegangenen Rede erzählt, wie er sich im Programmbeirat für Sonderbriefmarken der Deutschen Post für das Zustandekommen der Marke eingesetzt hatte.
Für musikalische Unterhaltung nach den feierlichen Reden sorgte dann der Schulchor der Hermann-Köhl-Schule. Schwungvoll und gekonnt brachte er drei, eigens zu diesem Anlass selbst getextete und komponierte Lieder zum Vortrag. "Der Ozeanflieger", "Fliegen muss was wunderbares sein" und "Der Hermann-Köhl-Rap", die auf große Begeisterung beim Publikum stießen. Beim Rap wurden die Zuhörer förmlich mitgerissen und klatschten rhythmisch mit.
Als im Jahre 1928 Hermann Köhl zum Ehrenbürger ernannt worden war, trug ein zehnjähriger Junge namens Hans Schätzthauer ein Ehrengedicht vor. Genau dieses Gedicht trugen drei Schüler zur Erinnerung erneut vor.
Besondere Geschenke überbrachten Verwandte von Hermann Köhl. Graf von Bethusy Huc, Walter Köhl und Hermann Köhl übergaben Medaillen, ein goldenes Tablett, von Hermann Köhl selbst gemalte Bilder und eine 200 Jahre alte wertvolle Familienbibel in zwei Bänden an Bürgermeister Josef Walz.
Einen heiteren und wirklich erheiternden Ausklang bot die Flugshow mit Jakob Adler und seine gelben Eindecker. Uli Grebenstein und Kurt Wikorill erhielten für ihren gelungenen Auftritt begeisterten Applaus.
Zum Abschluss erhielten Dr. Theo Waigel, Dr. Beate Merk, Corinna Rogger, Uli Grebenstein, Kurt Wikorill, Bernd Weiß, Johann Riggenmann, Graf von Bethusy Huc, Walter Köhl und Hermann Köhl die goldene Jubiläumsmedaille.
Im anschließenden geselligen teil trafen sich die Gäste in der Hermann-Köhl-Ausstellung wieder. Bei Pfaffahofer Urtrunk und Jubiläumssekt wurde von Vielen noch recht lange Hermann Köhl gefeiert.




























