Ein seltenes Ehrenamt

Für die langjährige Ausübung eines Ehrenamtes, das zur Zeit von nur etwa 1600 Personen in der Bundesrepublik ausgeübt wird, wurde Franz Schaffer im Auftrag des Bundesministers für Verkehr am Montag im Pfaffenhofener Rathaus geehrt. Seit 1975 ist Franz Schaffer 'Phänologischer Beobachter' in Pfaffenhofen und wurde daher für diese über 25-jährige Tätigkeit ausgezeichnet. Er erhielt aus den Händen von Oberregierungsrat Herbert Langholz vom Deutschen Wetterdienst in Weihenstephan die Wetterdienstplakette. Die Naturverbundenheit von Franz Schaffer, die wichtige Voraussetzung für dieses Amt ist, zeigt sich unter anderem in seinem Hobby als Imker.
Die Bedeutung von Phänologischen Beobachtungen
Witterung und Klima sind die wesentlichen Faktoren, die das Wachstum unserer Pflanzen bestimmen. So lässt zum Beispiel ein zeitiges Frühjahr die Pflanzen viel früher ergrünen oder erblühen als in einem kalten Frühling, wo sich der Aufgang der Saaten und die Blüte von Obstbäumen um Wochen verspäten kann. Die Wissenschaft, die sich mit der regelmäßigen Beobachtung der Entwicklung von wildwachsenden und landwirtschaftlichen Pflanzenkulturen befasst, trägt den Namen Phänologie (Lehre der Erscheinungsformen). Es ist dabei nicht nur interessant, die Eintrittszeiten der verschiedenen Wachstumsphasen in einzelnen Jahren zu kennen, sondern auch ihren gewöhnlichen
Verlauf über mehrere Jahrzehnte zu erfassen. Mit Hilfe solcher mittleren Eintrittszeiten kann man nämlich die Klimagunst eines bestimmten Gebietes beurteilen und zum Beispiel abschätzen, ob in einer bestimmten Höhenlage noch Mais angebaut werden kann. Weil Pflanzen eben die billigsten Messinstrumente für die jeweilige Witterung oder Klima sind, hat der Deutsche Wetterdienst schon vor einigen Jahrzehnten ein sogenanntes phänologisches Messnetz eingerichtet. Zur Zeit stellen etwa 1600 ehrenamtliche Beobachter während der Vegetationszeit etwa 1 bis 2 mal pro Woche das Wachstum von mehr als 50 Pflanzenarten und ca. 160 Entwicklungsphasen wie Blattentfaltung, Blüte, Reife usw. fest und geben diese Beobachtungen entweder sofort oder in einem Jahresbogen an das Zentralamt des Deutschen Wetterdienstes weiter, wo die Daten in einem Großrechner weiterverarbeitet werden. Der große Nutzen dieser Beobachtungen liegt zunächst einmal bei der aktuellen
Beratung der Landwirtschaft. So richten sich der Wasserbedarf der Ackerkulturen und damit auch entsprechende Beregnungshinweise nach dem jeweiligen
Entwicklungsstand, was ebenso für den Ausbruch von Pflanzenkrankheiten bzw. Pflanzenschutzmaßnahmen gilt. Auch detaillierte Hinweise für Pollenallergiker, die in den vergangenen Jahren immer mehr Bedeutung gewonnen haben, wären ohne flächendeckende Beobachtung von Pflanzenphasen nicht möglich. Ein ebenso großes Anwendungsgebiet finden langjährige Beobachtungen besonders in den Bereichen Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft, Stadt- und Landesplanung sowie Ökologie und
Fremdenverkehr. Auch die gerade in den vergangenen Jahren häufig diskutierten Änderungen des Klimas könnte man an veränderten Eintrittszeiten von Pflanzenphasen beobachten. Aus all diesen Gründen ist der Deutsche Wetterdienst allen phänologischenBeobachtern für ihre Dienste zu großem Dank verpflichtet. Ein besonderer Dank gilt all jenen, die aus Idealismus und Naturverbundenheit über einen längeren Zeitraum diese Beobachtungen in ihrer näheren Umgebung durchführen und damit eine langjährige Beobachtungsreihe erst möglich machen.

