Die "schwarze Lies" - Eine Gaunerin aus Biberberg
Elisabetha Gaßner, geboren 1742, gestorben am 16. Juli 1788 in Oberdischingen, im Volksmund auch die "Schwarze Lies" genannt, war eine der aktivsten, heute bekannten historischen Gaunerinnen.
Am 7. Juni 1770 heiratete Elisabetha in der St. Andreas Kirche hier in Biberberg den aus Biberberg stammenden Johannes Gassner. Gassner war nach zwölf Jahren Militärdienst in verschiedenen Truppenkontingenten des Schwäbischen Kreises mit Elisabetha in seinen Heimatort zurückkehrt und dort ansässig geworden. Das Paar hatte bereits zwei Kinder. Aus der Ehe gingen vier weitere hervor.
Kriminelle Karriere
Nach ihrer Sesshaftwerdung in Biberberg ernährte Elisabetha zunehmend die stetig wachsende Familie, zu der auch Mutter Elisabetha Ebnerin gehörte, vom Diebstahl und durch Gaunereien. Durch beträchtliche Beuteerträge hatte sie ein kleinbäuerliches Anwesen in Biberberg erworben. Die Verhaftung des Ehepaars Anfang 1781 beendete Elisabethas sesshaftes Leben in Biberberg. Sie setzte sich später in die Schweiz ab, hielt sich dann mit neuem Lebensgefährten, Matheis Ruttmann aus Munningen, ein halbes Jahr in Tirol auf und kehrte mit diesem schließlich ins Schwäbische und Württembergische zurück. Den gemeinsamen Lebensunterhalt bestritt Elisabetha nun fast ausschließlich und sehr erfolgreich durch Taschendiebstahl. Der Schaden, der ihren Opfern aus insgesamt 300 dokumentierten Eigentumsdelikten entstand, ließ sich später mit 7.685 Gulden nur ansatzweise beziffern.
Ihr bekanntester Diebstahl ging in die Kriminalgeschichte ein. Beim Besuch eines Großfürsten am Ludwigsburger Hof im Jahr 1782 entwendete sie dem Reichsgrafen Franz Ludwig Schenk von Castell, dem bekanntesten Gaunerjäger Oberschwabens, einen Geldbeutel mit Goldwährung im Wert von 700 Gulden. Es dauerte fünf Jahre, bis der Gaunerjäger die "Schwarze Lies" dingfest machen konnte. Am 16. Juli 1788 wurde sie von Scharfrichter Xaver Vollmer durch das Schwert in Oberdischingen hingerichtet.
Text: Bruno Keller